Blogwettbewerb 2: Zeitzeugengespräch – „Nichts ist schlimmer als Schießen“

Als die Front der Roten Armee es über die Oder geschafft hatte, kam es zu einem Beschuss ab März 1945 in Golzow, wo Herr Kroll in einem Schützengraben saß.
„Man sitzt nur und wartet noch, wann trifft es dich?“ Als er davon berichtete, wie er mitbekommen hat, dass seine Kameraden neben ihm litten und starben, wurde er sehr emotional. Er ist der Einzige, der von dieser „Elite-Einheit“ überlebt hat, indem er, als die Panzer auf ihn zukamen, zurück zur Zentrale nach Golzow floh, wobei er von einem Granateneinschlagloch zum nächsten sprang, um so viel Schutz wie möglich zu haben.
Er sei zu traumatisiert, um sich die nächsten zwei Wochen in Erinnerung zu rufen, jedoch kam er am 2. Mai 1945 in seiner Heimatstadt an, wo er auch die Erlaubnis bekam, seine Familie zu besuchen.
So lief er in der Nacht vom 2. zum 3. Mai zu dem Haus seiner Familie, in der ständigen Angst erwischt und erhängt zu werden. Seine Mutter konnte es kaum fassen, als sie ihm die Tür öffnete, denn am Tag zuvor hatten die Amerikaner Schwerin eingenommen. Obwohl er die Anweisung bekommen hatte, am nächsten Tag zu seinem Vorgesetzten zurückzukehren, blieb er bei seiner Mutter, seinen sechs Schwestern und seiner Oma zu Hause. „Für mich war der Krieg zu Ende“.
Auch heute denkt er noch oft darüber nach, was aus all den Menschen geworden ist, denen er im Krieg gegenüberstand, die er in Gefangenschaft genommen hat. Wie es ihnen und ihren Familien wohl nach dem Krieg ergangen ist.
Und so beendet er seinen Vortrag mit den gleichen Worten, mit denen er ihn eingeleitet hat: „Nichts ist schlimmer als Schießen. Das Wichtigste ist, dass nicht mehr geschossen wird, denn nichts ist schöner als der Frieden.“
Nicht nur diese Worte, sondern das gesamte Auftreten dieses Herren, haben mich besonders berührt. Die Art wie er die Geschehnisse für sich eingeordnet und reflektiert hat, ist sehr inspirierend und ich hoffe, dass er noch vielen von seiner Vergangenheit berichten kann.

Magda (Jg. 11)

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