Angekommen in der Schule, wartete in der dritten Stunde in unserem Deutschraum Frau Susanne Kölbel mit zwei weiteren Personen auf uns. Susanne Kölbel, eine Auslandsreporterin bei „Der Spiegel“, stellte erst sich selbst und anschließend ihre Partner Valentina Bauer, eine Deutschstudentin, und Mykhailo Krasilnikov, ein Geflüchteter aus der Ukraine, vor und gab uns einen Einblick in ihre Arbeit sowie wie es zu dem „Poetry Projekt“ kam. Alles begann damit, dass sie vom „Spiegel“ aus in verschiedene Länder reiste und mit vielen Polizisten und verschiedenen Menschen sprach. Einmal stand bei einem Abendessen mit einigen wichtigen Personen in einem fremden Land plötzlich ein Mann auf und trug ein berührendes Gedicht über seine persönliche Geschichte vor. Susanne war tief berührt und der festen Überzeugung, dass viel mehr Menschen gerne ihre Erfahrung erzählen wollen würden. Sie merkte, nachdem der Ukraine Krieg ausbrach und die ersten Geflüchteten ankamen, dass sie ihre Erfahrungen erzählen sollten. Susanne ging auf die zuerst schüchternen Leute zu, fragte nach deren Erfahrungen. So kam eine zunächst kleine Gruppe zusammen, die ihre Erfahrungen aufschrieben. Später wurden diese biografischen Erlebnisse in Form einer Lesung an einer Universität vorgetragen. Dies stellte einen schönen Einstieg in unser Projekt dar. Unsere Projektarbeit begann mit einer persönlichen Vorstellung. Im Anschluss bekamen wir die Aufgabe, unseren Wohnort mit Dingen zu beschreiben, die ihn allein für uns besonders machen. Von der Natur über Vereine bis hin zu unserem eigenen Zuhause waren sehr vielfältige Antworten dabei. Diese sollten wir anschließend poetisch auf eine Postkarte schreiben, die an eine unbekannte Person aus einem weit entfernten Ort gerichtet sein sollte. Nach der Schreibphase haben wir unsere Texte vorgestellt und diese mit (freiwilligen) Kontaktdaten abgeben, falls jemand mal auf unsere poetische Schreibweise zurückkommen möchte. Unser Kurs und einige andere Klassen begaben sich nach der Mittagspause in die Cafeteria, wo uns Susanne, Valentina und Mykhailo eine Vorlesung verschiedenster Werke ihrer Kollegen vortrugen. Besonders faszinierend war Kamala aus der 11a, die ihre persönliche Geschichte vorstellte. 10 Minuten erzählte sie von ihrer Flucht aus Syrien nach Deutschland, welche Hürden sie und ihre Familie überwinden mussten und bis zum heutigen Tag noch müssen. Einige waren zu Tränen gerührt, andere waren persönlich so verbunden, dass sie auch ihre Geschichten erzählen / verfassen wollten. Naya aus der 9b oder Zakarya aus der 8b erinnerten sich selbst an ihre Flucht und sprachen mit Susanne darüber. Diese war sehr glücklich, dass ihr Projekt so gut angenommen ist. Im Nachhinein sprach der Deutsch GK von Frau Br. nochmals über das Projekt und über eine Fortführung in unserem Jahrgang sowie den unteren Klassen.
Insgesamt bewerten wir das Projekt als gelungen und außerordentlich augenöffnend. Wir alle kennen Menschen mit erschreckenden Hintergründen, doch nur wenige wissen die ganze Geschichte. Deshalb appellieren wir an euch: Fragt nach den Geschichten eurer Mitmenschen und sprecht auch über eure eigenen. Zeigt keine Angst, sondern Mut, denn ihr habt Dinge erlebt und durchgestanden, wovor andere Menschen wegrennen würden.
Vanessa (11c)



