Ein Wochenende im literatur-historischen Weimar

Freitag: Hallo Weimar!

Noch schnell die sechs Stunden Unterricht „überleben“ und schon ging es voller Vorfreude mit der Begleitung von Frau Di., Herrn Bn., Herrn Rc. sowie dem Bruder von Jakob und Henning in Richtung Weimar. Lustige Gespräche, Musik, die dann doch mal durch die Kopfhörer der Sitznachbarin drang bzw. durch leises Mitsingen die eigenen Gesangskünste beanspruchte, und erholsamer Schlaf ließen die vier Stunden Fahrt wie  im Fluge vergehen. In der Hälfte hielten wir bei Mc‘s, um uns für die zweite zu stärken. Gegen 18.30 Uhr erreichten wir die Herberge, in der wir uns, um Frau Di. zu zitieren, „ein Ich-Bezieh‘-Mir-Mein-Bett-Selbst-Paket“ nahmen und erstmal einen kleinen Kampf mit dem Bett starteten, denn die Erfindung des grandiosen Spannbettlakens ist leider nicht überall Standard. Aber nun gut, kurz vor 20 Uhr trafen wir uns nach kurzer Erkundungstour der Zimmer und Trauer über das nicht funktionierende W-LAN vor der Herberge und liefen gemeinsam in die schöne und interessante Weimarer Innenstadt. Betonung liegt auf interessant, denn es bleibt schon kurios zu sehen, wie Weimar seinen Charme von Leben und heutiger „Dichtkunst“, vor allem in den Abendstunden, durch sehr leicht alkoholisierte Menschen hervorbringen lässt. An der Goethe-Schillerstatue vor dem Nationaltheater verabredeten wir uns zu 22 Uhr und es konnte jeder individuell in einer Kleingruppe die Straßen oder das Live-Konzert im Künstlergarten bewundern. Als wir dann alle wieder beisammen waren, liefen wir gemeinsam zurück und im Gemeinschaftsraum ließen viele von uns den Abend zusammen mit Herrn Rc. und sehr lustigen Runden „What do you Meme?“ ausklingen.

Samstag: Die etwas andere Tragödie aus „Der Tragödie erster Teil“

Halbwegs ausgeschlafen, starteten wir den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück um 8 Uhr, wonach wir noch schnell alles für den Tag zusammensuchten und schon ab 9 Uhr zum Rokoko-Saal der Anna-Amalia-Bibliothek gingen. Mit den viel zu großen, aber durchaus lustigen, „Pantoffeln“ ging es in diese und wir wurden sehr positiv von dem Gesamteindruck der Konstruktion sowie Büchern und Kunstwerken, sowohl plastisch als auch malerisch, überrascht. Die zur Verfügung stehenden 30 Minuten verstrichen rasend schnell und direkt im Anschluss begaben wir uns zum Goethe-Nationalmuseum, in dem wir uns nach Einschließen der Taschen einen Audioguide schnappten, der uns im Goethehaus Vieles über sein Leben und Lebensweise berichtete. Vor allem faszinierte uns seine Liebe zur Kunst außerhalb der Dichtkunst, aber auch sein Garten, der die Sinnlichkeit seiner Lyrik ganz eigen widerspiegelte. Nachdem jeder die Räume im eigenen Tempo bestaunte, trafen wir uns gegen 14 Uhr am Neptunbrunnen, nachdem die Audioguides wieder abgegeben, der Buchladen im Goethehaus erkundet, Mittag gegessen sowie eventuelle Konsumkäufe getätigt wurden. Mit gut gefüllten und eventuell etwas schweren, unhandlichen Beuteln starte also gemeinsam vom Neptunbrunnen aus die zweistündige Stadtführung. So liefen wir also zum Studienzentrum und bewunderten den Bücherkubus des Anna-Amalia-Studienzentrum. Die Herzogin Anna Amalia, die Weimar ab ca. der Hälfte des 18. Jahrhunderts regierte, förderte damals vor allem die Kultur, indem sie beispielsweise freien Zutritt zu Theateraufführungen gewährte. Überwältigt von dem Kubus ging es weiter durch den Park hinter der Anna-Amalia-Bibliothek, zu verschiedensten Statuen und Bauwerken, u.a. im Stil des Bauhaus’. Gegen 16 Uhr endete die sehr interessante Tour durch die Weimarer Innenstadt wieder am Marktplatz. Bis 19 Uhr erhielten wir nun Freizeit, um uns vor allem für die dreieinhalbstündige Theaterinszenierung von Faust „Der Tragödie erster Teil“ fertigzumachen. Wir packten also noch schnell die letzten Sachen für die Heimreise zusammen, aßen in unseren Grüppchen zu Abend, kleideten uns theaterkonform und zogen noch den letzten Lidstrich. Vor dem Nationaltheater erhielten wir dann unsere Karten und nahmen kurz vor Beginn der Vorstellung unsere Plätze voller Spannung ein. Die Lichter gingen aus und schon trat der verzweifelte Faust auf. Zwar fragten wir uns alle bereits zu Beginn, wie wir die lange Inszenierung wirklich leicht übermüdet „überstehen“ sollen, allerdings wurde uns spätestens nach Einschub einer kleinen Teilbühne mit Akteuren als Partygästen und Mephistos dortiges Eingreifen klar, dass es sich nicht um eine klassische Inszenierung des Stücks handelte. So lachten wir im Verlauf der Handlung fast Tränen, bevor das Stück gegen 23 Uhr zu Ende ging. Nach kräftigem Applaus trafen wir uns wieder vor dem Theater. Mit knapp 20.000 Schritten auf der Uhr und ordentlich müde begaben wir uns ohne heutigen Spieleabend zurück zur Unterkunft und anschließend direkt ins Bett. 

Sonntag: Heimreise und herzergreifende Besichtigung des KZ’ Buchenwald

Nach dem Frühstück packten wir vor der Schlüsselabgabe noch die letzten Kleinigkeiten ein, bevor wir folglich unser Gepäck in die PKWs der Lehrer räumten. Gegen 10 Uhr versetzten diese die Räder wieder ins Rollen in Richtung Gedenkstätte Buchenwald. Dort angekommen, startete unsere Führung ab 10.30 Uhr und wir erfuhren Vieles über das ehemalige Konzentrationslager. Die Kälte und der beginnende Regen verstärkten das beklemmende und traurige Gefühl, als wir über die Wege und vorbei an den Lagern zum Eingangstor liefen. Über dem Tor hängt eine Uhr, die bis heute noch die Zeit 15.15 Uhr anzeigt: Die Uhrzeit, zu der das Lager und die eingesperrten Menschen am 11. April 1945 frei wurden. Die Zellen, verschiedene Gedenktafeln sowie Bilder an den Wände ließen uns auch beim Weitergehen nicht kalt. Dass Hitler nach seinem Überfall auf Polen 1939 selbst polnische Menschen einsperrte, berührte uns ebenfalls aufgrund der thematischen Behandlung in diesem Kurshalbjahr in Geschichte. Bevor wir Zeit zur eigenen Erkundung erhielten, begaben wir uns in einen Raum, in dem wir mit einem Partner ein Bild vor den anderen beschrieben sowie einen Titel für dieses fanden. Nach Erforschung des Geländes und einem kurzen, aber wichtigen Zwischenstopp in der Buchhandlung mit Kauf verschiedenster historischer Literatur, setzten wir uns wieder in die Autos und traten im Vollregen die Rückreise, immer noch überwältigt von den Eindrücken, an. Noch ein kurzer Halt bei Mc’s, lustige Gesprächen und natürlich ganz viel nachgeholter Schlaf – dann erreichten wir die Schule zu 18.30 Uhr und somit endete das kurze, aber sehr spannende Wochenende in Weimar, das definitiv eine Empfehlung wert bleibt.

Lisa (12b)

Lisa (12b)

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